Mein Name ist Google, Francis J. Google, Privatschnüffler. Ich bin nur eine von vielen Suchmaschinen im Internet. Ich hatte ein ziemlich schäbiges Büro drüben, auf der Upper Website. Meine Kunden waren normalerweise abgeschlaffte Microsofties, die sich Sorgen machten, ihr Frauchen könnte sich irgendsoein Latin Laufwerk aufgerissen haben.
Ich hatte gerade einem dieser Schmierlappen ein paar eindeutige Fotos besorgt, als diese Schönheit durch die Tür schwebte: knallenges, bauchfreies Laptop und Beine bis zum Bildschirmrand. Sie stellte sich als Mrs. Pacman vor, was ich ihr nicht glaubte, obwohl sie mit ihrer Figur bei mir schon ordentlich Punkte gesammelt hatte.
Ihr Mann war verschwunden und jetzt heulte sie sich die Schminke aus dem Gesicht. Zur Beruhigung mixte ich uns ein paar Drinks: für mich einen doppelten Vista-Soda und für sie Wodka OSaft, wobei das „O“ für „ohne“ stand. Als sie sich wieder im Griff hatte, kassierte ich fünf Riesen und versprach, mich mal nach ihrem geliebten Pacman umzuhören.
Pacman war klein und gelb, aber Chinatown war nicht mein Revier. Also versuchte ich es zuerst unter Pacmans letzter Adresse: das Hotel „Arkade“ war eine luxuriöse Altenhomepage, der Kasten war ein gottverdammtes Schloss. Der Palastenaufzug brachte mich in den zweiten Stock, wo mich die erste böse Überraschung erwartete: am Empfang war niemand. Kein Wunder: der Dateimanager hatte sich aufgehängt. Die zweite böse Überraschung waren die Bullen, die plötzlich auftauchten.
Es war Commander Norton von der freiwilligen Firewall und sein ewiger Schatten, Sergeant Cookie. Commander Norton trug wie üblich billige Schuhe und rauchte Spam Filter. Er interessierte sich auch für den alten Pacman, machte schwer einen auf dienstlich, meinte, er würde mich einloggen lassen, wenn ich ihm was verschweige, und er drohte sogar, mich eine Weile bechatten zu lassen. Das war deutlich, ein Link mit dem Zaunpfahl. Was sollte ich tun: Wiederholen? Ignorieren? Abbrechen?
Ich fuhr runter nach Download LA und besuchte meinen alten Kumpel Mac. Mac hatte hier einen Laden, den er früher mal für ein Apple und ein Ei übernommen hatte. Hier kam man her, wenn man anders war, als die anderen Kinder. Aber Mac war wenigstens zuverlässig und wußte, was lief. Er erzählte mir, Pacman sei der Kopf einer Verschwörung von CIA, FBI und DSL – es ging um die illegale Lieferung von Massenverknüpfungswaffen an Internet-Terroristen wie Ossama bin Runterladen und Modem Hussein. Die Sache ging bis ganz nach oben, bis zum Präsidenten der Vereinigten Seiten von Amerika.
Außerdem hatte Pacman einen Haufen Leute bestochen, um am Stadtrand diese Sondermaildeponie zu bauen, obwohl Tierschützer darauf hingewiesen hatten, daß hier der vom Aussterben bedrohte Notebock lebte.
Er hatte also genügend Feinde, aber eines war wirklich interessant: er war ledig. Ich hatte schon so einen Verdacht. Ich besorgte mir ein paar Unterlagen und fuhr zurück in mein Büro, wo mich eine weitere böse Überraschung erwartete: Pacman.
Er sah aus, als hätte er einen Geist gesehen. Okay, das war sein Beruf. Aber diesmal könnte es sein eigener gewesen sein: Jemand hatte ihm ein paar mal mit einer 486er in’s Gesicht geschossen. Neben ihm lag ein alter Schokoriegel.
Jetzt war alles klar: Pacman hatte zwar nie geheiratet, aber er hatte eine uneheliche Tochter: Lara Croft, meine schöne Auftraggeberin. Sie hatte selber Karriere gemacht, sogar als Sängerin einige Festplatten aufgenommen, aber Daddy hatte noch ein paar Rechte. Irgendjemand hatte ihm Geld geboten, damit er nachzog und Tomb Raider in Tomb Twix umbenannte, und das konnte die kleine Lara nicht zulassen.
Tja, das Internet hat seine rauhen Seiten, überall sieht man Sex und Gewalt und manchmal denke ich, dass sich hier nur Verrückte rumtreiben. An solchen Tagen schließe ich mein Büro ab und gehe rüber in die SPACE BAR, um mich sinnlos zu besurfen… (Quelle: Wirtschaftsmagazin Ruhr – Peter Podewitz)
Schreib doch bitte zur Quelle nicht nur wo du es gefunden hast, sondern auch von wem es verfasst ist. In diesem Fall nämlich von Herrn Peter Podewitz. Der heißt wirklich so.
Hallo Martin,
Du hast natürlich recht!!
Aber der Autor war in dem Artikel im „Wirtschaftsmagazin“ nicht genannt … sonst hätte ich den natürlich mit aufgeführt!!